Kurzantwort: Der größte Hebel bei Speditionsverträgen liegt selten in der Hauptfrachtrate, sondern in den Nebenpositionen: Maut, Diesel, Avisierung, Palettentausch, Wartezeiten, Sperrgut, Indexklauseln und Mindestgewichte. Wer diese Einzelpositionen gegen den Markt prüft und benchmarkt, senkt die Logistikkosten oft spürbar – ohne den Dienstleister zu wechseln.
Viele Unternehmen verhandeln ihren Speditionsvertrag genau einmal. Und zahlen danach jahrelang zu viel. Nicht unbedingt bei der Hauptfrachtrate – die ist meist sichtbar und wird verglichen. Sondern bei allem drumherum.
Wo der Margenverlust wirklich entsteht
Maut, Diesel, Avisierung, Palettentausch, Wartezeiten, Sperrgut, Abholung, Nebengebühren, Indexklauseln, Mindestgewichte, Sonderzuschläge: Genau hier entsteht oft der eigentliche Margenverlust. Der Geschäftsführer sieht meist nur „Frachtkosten steigen”. Der CFO sieht „die Logistikquote verschlechtert sich”. Aber selten schaut jemand tief genug in die Einzelpositionen.
Speditionsverträge sind häufig historisch gewachsen. Sie wurden in einer anderen Marktlage abgeschlossen, automatisch verlängert und nie vollständig gegen aktuelle Marktpreise gebenchmarkt. Das Ergebnis ist ein Vertrag, dessen Konditionen mit der heutigen Sendungsstruktur kaum noch zusammenpassen.
Was Sie im Speditionsvertrag prüfen sollten
Zuschläge gegen den Markt benchmarken
Welche Zuschläge werden tatsächlich berechnet – und sind Maut- und Dieselzuschläge marktgerecht? Viele Zuschläge sind Verhandlungssache, werden aber als gesetzt hingenommen.
Mindestabrechnungen und Mindestgewichte
Gibt es Mindestabrechnungen, die nicht zur realen Sendungsstruktur passen? Wer überwiegend kleine Sendungen verschickt, zahlt bei falsch gewählten Mindestgewichten dauerhaft drauf.
Palettentausch und Avisierung
Werden Palettentauschpauschalen doppelt oder pauschal berechnet? Sind Avisierungsgebühren noch plausibel oder reine Gewohnheit? Diese Nebenpositionen wirken klein, summieren sich aber über das Jahr.
Preisgleitklauseln
Gibt es automatische Preisgleitklauseln, die Kosten ohne Verhandlung erhöhen? Diese Mechaniken verselbstständigen sich besonders leicht.
Checkliste: Speditionsvertrag-Audit
- Alle Zuschläge der letzten 12 Monate aufschlüsseln
- Maut- und Dieselzuschläge gegen Marktwerte prüfen
- Mindestgewichte mit realer Sendungsstruktur abgleichen
- Palettentausch- und Avisierungslogik prüfen
- Indexklauseln und automatische Verlängerungen identifizieren
- Einzelpositionen statt nur Gesamtrechnung benchmarken
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Anbieterwechsel bei der Spedition? Oft nicht – der bestehende Partner kann meist bleiben. Der Hebel liegt in Konditionen, Zuschlägen und Vertragsmechaniken, nicht zwingend im Wechsel.
Wie oft sollte man Speditionsverträge prüfen? Mindestens vor jeder automatischen Verlängerung, idealerweise jährlich gegen den aktuellen Markt.
Sind Dieselzuschläge verhandelbar? Ja. Indexlogik, Basis, Deckelung und der Senkungsmechanismus bei fallenden Preisen sind Verhandlungsgegenstand.
Fazit
Jeder eingesparte Euro in der Logistik fließt direkt in die Marge. Das ist kein Sparprogramm, sondern operative Exzellenz. Der Schlüssel liegt darin, die Einzelpositionen zu verstehen statt nur die Gesamtrechnung zu akzeptieren.
Bei Von Falkenrath & Company prüfen wir Speditions- und Frachtverträge Position für Position – zu 100 % erfolgsabhängig. Mehr auf Von Falkenrath & Company.
Weiterlesen: Mautkosten richtig prüfen · Diesel-Floater verstehen und verhandeln
Über den Autor Tom Illauer ist Gründer von Von Falkenrath & Company, Geschäftsführer eines Handelsunternehmens sowie Diplom-Betriebswirt und Diplom-Investmentbanker. Logistik- und Frachtverträge analysiert er aus der Praxis eines Unternehmens, das täglich versendet.