Kurzantwort: Nicht jede Kostenoptimierung findet im Einkauf statt – ein großer Teil liegt in Finanzierung, Versicherungen und Bankgebühren. Kreditmargen, Bereitstellungszinsen, Avalkosten, D&O- und Cyberversicherungen, Sachversicherungen sowie Transaktionsgebühren werden selten aktiv verhandelt. Wer sie marktgerecht prüft, gewinnt direkten EBITDA- und Cashflow-Effekt.
Viele Unternehmen verhandeln ihre Lieferanten hart. Ihre Banken und Versicherer dagegen fast nie. Dabei liegt hier ein erheblicher, oft übersehener Kostenhebel – und im Gegensatz zu vielen anderen Maßnahmen wirkt er sowohl auf das Ergebnis als auch auf die Liquidität.
Warum diese Positionen selten geprüft werden
Finanzierungs- und Versicherungskosten werden aus vier Gründen kaum hinterfragt: Sie wirken komplex. Sie gelten als sensibel. Sie sind historisch gewachsen. Und Banken sowie Versicherer werden als strategische Partner gesehen, die man nicht „verärgern” möchte. Das ist nachvollziehbar – aber auch strategische Partner dürfen marktgerecht sein.
Hinzu kommt: Diese Kosten stehen selten in einem Report, der monatlich auf dem Tisch der Geschäftsführung landet. Sie laufen im Hintergrund mit, Quartal für Quartal, oft zu Konditionen, die in einer anderen Marktlage vereinbart wurden.
Die wichtigsten Kostenpositionen im Überblick
Finanzierung
Kreditzinsen und -margen, Bearbeitungsentgelte, Bereitstellungszinsen, Kapitalbereitstellungsprovisionen, Avalkosten und Factoring-Gebühren. Besonders Bereitstellungszinsen und die Bepreisung nicht genutzter Kreditlinien werden häufig akzeptiert, obwohl sie verhandelbar sind.
Versicherungen
Sach- und Betriebsversicherungen, Betriebshaftpflicht, Warenkreditversicherung sowie D&O- und Cyberversicherungen. Hier liegt das Potenzial oft weniger im reinen Preis als in der Struktur: zu hohe Versicherungssummen, Doppelversicherungen über mehrere Verträge hinweg oder Konditionen, die seit Jahren nicht gegen den Markt geprüft wurden.
Bankgebühren und Transaktionskosten
Kontoführung, Transaktionsgebühren und Zahlungsverkehr summieren sich bei hohem Volumen erheblich. Transparenz über die tatsächlichen Gebühren pro Transaktionsart ist die Voraussetzung, um sie zu verhandeln.
Welche Fragen Sie stellen sollten
- Sind die Kreditmargen noch zur aktuellen Bonität und Marktlage passend?
- Werden nicht genutzte Kreditlinien bepreist – und ist das nötig?
- Sind Bereitstellungszinsen und Bearbeitungsentgelte verhandelbar?
- Passen die Versicherungssummen noch zum tatsächlichen Risiko?
- Gibt es Doppelversicherungen über verschiedene Verträge?
- Sind D&O- und Cyber-Konditionen marktgerecht?
- Sind die Bankgebühren transparent und benchmarkfähig?
Ein Gedanke zur Wirkung
Der besondere Reiz dieser Positionen: Eingesparte Finanzierungs- und Versicherungskosten verbessern nicht nur das EBITDA, sondern oft auch direkt den Cashflow – und sie sind, anders als Umsatzwachstum, nicht von Marktnachfrage abhängig. Kosten senken heißt hier schlicht: Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.
Häufige Fragen
Kann man Bereitstellungszinsen wirklich verhandeln? In vielen Fällen ja – insbesondere die Bepreisung nicht genutzter Linien und die Höhe der Provisionen sind Verhandlungsgegenstand, vor allem bei guter Bonität und mehreren Bankbeziehungen.
Wie erkennt man Doppelversicherungen? Durch einen strukturierten Abgleich aller Policen: Häufig überschneiden sich Deckungen zwischen Betriebs-, Haftpflicht- und Spezialversicherungen, ohne dass es jemandem auffällt.
Verärgert man Banken durch Nachverhandlung? Professionell vorbereitete Gespräche, die auf Marktdaten basieren, gehören für Banken zum Geschäft. Ein marktgerechter Preis schwächt die Partnerschaft nicht – im Gegenteil.
Fazit
Wer in Finanzierung, Versicherungen und Bankgebühren systematisch prüft, findet oft direkte EBITDA- und Cashflow-Effekte, die im Einkauf gar nicht erreichbar wären. Voraussetzung ist Transparenz – und die Bereitschaft, auch sensible Verträge marktgerecht zu hinterfragen.
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Über den Autor Tom Illauer ist Gründer von Von Falkenrath & Company sowie Diplom-Betriebswirt und Diplom-Investmentbanker. Sein Hintergrund im Investmentbanking und in Restrukturierungen macht ihn zum Spezialisten für genau jene Finanzierungs- und Versicherungspositionen, die im Tagesgeschäft selten geprüft werden.